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Wenn wir uns überall einmischen wollen, wo himmelschreiendes Unrecht geschieht, dann riskieren wir den dritten Weltkrieg. Helmut Schmidt

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Horst Seehofer hat eine neue Kategorie der Stellungnahme geschaffen. Nennen wir sie Horst. Er ist damit, vermutlich ohne es zu wissen, der Generation Facebook nähergekommen als auf seiner Party im P1. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen …

Vermutlich jeder hat schon einmal den Moment erlebt, wenn es einfach zu viel wird, wenn sich die Zunge wie von alleine löst, wenn Dinge, die einfach einmal gesagt werden müssen, auf einmal einfach gesagt werden, ohne dass man vorher die Wirkung des Gesagten bis ins Detail abgewogen hat. In einer Beziehung nennt man so was vielleicht einen Gefühlsausbruch, im Sport spricht man von einer Motivationsrede oder, wenn es um Giovanni Trapattoni geht, auch einmal um einen Wutausbruch. Im Netz hat sich seit einigen Jahren auch noch der „Rant“, also ein Blogeintrag, in dem der Autor seinen Emotionen freien Lauf lässt, dazugesellt. Und seit dieser Woche gibt es eine neue Kategorie der politischen Stellungnahme, die all diese Dinge irgendwie vereint. Nennen wir sie einfach einmal einen „Horst“.

Spenden wir ihm ein Wort

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Vielleicht hat sich Seehofer die Form, in der er seine Botschaft in die Welt trägt, tatsächlich von seinen neuen Freunden aus dem Netz abgeschaut, die er vor ein paar Tagen zu einer großen Sause ins Münchner P1 geladen hatte. Allerdings ist das eher unwahrscheinlich, denn laut Medienvertretern waren in erster Linie Medienvertreter da, die sich darüber mokierten, dass nur Medienvertreter da waren. Vielleicht hat der Horst sich auch nur überlegt, dass er auch ein neues Wort haben wollte, das direkt mit seiner Person verknüpft ist. Verben haben schon andere für sich in Beschlag genommen, man erinnere sich nur an den Christian, der vor ein paar Monaten noch Deutschlands Staatsoberhaupt war und nun bestbezahlter deutscher Arbeitsloser ist, der das Wort „wulffen“ in den deutschen Wortschatz einführte. Tun wir ihm also den Gefallen und spenden ihm ein Wort, das seinem Vornamen gleicht und irgendwie auch teutonischer klingt als „Rant“. CSU-Kollege Ramsauer, selbsternannter Beauftragter für die Bewahrung der deutschen Sprache, dürfte stolz gewesen sein.

Aber genug des Spaßes, man sollte sich nicht allzu hämisch über die Äußerungen von Seehofer äußern. Auch wenn man durchaus zum Augenzwinkern verleitet wird, muss man als Wähler doch eigentlich dankbar sein, wenn man ausnahmsweise nicht mit Plattitüden abgespeist wird. Und auch als Journalist weiß man es zu schätzen, wenn man einmal das senden oder schreiben darf, was wirklich gesagt wurde, und nicht das, was übereifrige Pressereferenten in ihrem Kastrationswahn bis zur Unkenntlichkeit überarbeitet haben. Einen Fehler darf man aber auch nicht machen, nämlich Seehofer auf den Leim zu gehen. So modern er sich gibt, so sehr er sich mit dem Interview im „heute journal“ als derjenige positioniert hat, der für Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit steht und der fast körperlich unter den handwerklichen Fehlern der schwarz-gelben Regierung leidet, so wenig darf man vergessen, dass er mit seiner Partei daran direkt beteiligt ist. Und insbesondere darf die Charme-Offensive nicht darüber hinwegtäuschen, dass Facebook-Horst mit seinen politischen Inhalten – und dem Weltbild, für das seine Partei steht – noch fest in vordigitalen Zeiten verankert ist. Das Betreuungsgeld etwa wäre 1950 progressiv gewesen, heute wirkt es wie aus der Zeit gefallen.

„Heute hören Sie den ,Horst‘ …“

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Solange Seehofer dieses fundamentale Problem nicht aufgelöst bekommt, ist die CSU weiterhin das größte Problem dieser Koalition. Das auszusprechen, davon müsste man doch in den nächsten Wochen die Minister der Berliner Koalition überzeugen können – immerhin hat Seehofer das Tabu gebrochen, dass man nicht öffentlich über die eigenen Kollegen herzieht. Das wäre eine schöne Serie im „heute journal“: „Und heute hören Sie den ,Horst‘ von Guido Westerwelle. Herr Außenminister, wem wollen Sie denn heute mal so richtig vor den Koffer …“

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Christoph Giesa: Frau Klöckner und der Imam

von Christoph Giesa 17.05.2012

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Autorin

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Christoph Giesa

Giesa ist selbständiger Publizist. Er beschäftigt sich mit allem, was ihn interessiert, egal ob Politik, Thaiboxen oder Edelsteine und reist gerne und oft um die ganze Welt. Gerade ist sein Buch “Gefährliche Bürger – Die neue Rechte greift nach der Mitte” bei Hanser erschienen. Von Hamburg aus pendelt er in den schönen Hunsrück und nach Portugal. Sein Herz schlägt für die Freiheit und den 1. FC Nürnberg.

 

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